Unikat oder Reproduktion

Unikat oder Reproduktion – wo bleibt das Original in der Druckgrafik?

Vom handkolorierten Holzschnitt bis zum modernen Vierfarboffsetdruckverfahren mit digitaler Druckvorstufe war es ein weiter Weg vieler Generationen von Künstlern und Technikern.
Geblieben sind uns markante Druckverfahren, die heute mehr denn je faszinieren,
wie der Holzschnitt, der Kupferstich oder der Steindruck.
Was aber ist der Grund, warum andererseits neuzeitliche Technologien immer wieder konservative Ablehnung im künstlerischen Bereich erfahren?
Fehlt vielleicht die manuelle Authentität?
Wonach sucht der Sammler grafischer Blätter und Editionen, was ihm in den neuen Techniken fehlt?
Was verunsichert manchen Grafiker bei der Anwendung derartiger Technik in seiner Kunst?
Ist es ein Generationsproblem?
Ist es Angst vor dem Neuen und Angst, das Vertraute zu verlieren?
Früher galt der Kupferstich als eine Reproduktionstechnik, heute reproduzieren wir Kupferstiche.
Gleiches gilt für alle anderen traditionellen Druckverfahren.
Wann gilt eine Druckgrafik als Original?
Und was ist der Unterschied zur Reproduktion?
Heute haben Druckformen virtuelle Gestalt und sie sind verschleißfrei,
genau so wie die Gedanken und Ideen, die zu dieser Form führten.
Limitierte Auflagen bedeuten also Bedarfsgrenzen und keine Materialmüdigkeit.
Missfällt uns in unserer ästhetischen Wahrnehmung
am Ende die von uns geschaffene technische Perfektion
?

Frank Stiehler

aktualisiert: 01.09.2015