Zur Dualgrafie

Die Dualgrafie ist eine Verfahrensweise aus modernen und traditionellen grafischen Techniken, die mit den Begriffen Computergrafik oder Digitaldruck oberflächlich und sogar falsch bezeichnet wäre.

Es ist meine Wortschöpfung, mit der ich einen grafischen Arbeitsprozess und das davon resultierende Produkt erklären und bezeichnen möchte, ohne mir die Erfindung einer neuen Vervielfältigungstechnologie anzumaßen.

Grafie steht für die grafische Erscheinung, also Schrift und Bild, so wie beispielsweise auch bei Lithografie, Xylografie oder Fotografie.

Dual steht für zwei Aspekte, einmal für die digitale Bildbearbeitung an sich und weiter für die Kausalität zwischen analog realen und digital virtuellen Arbeitsbereichen. Es ist der Dialog zwischen manuell geführten Werkzeugen und Materialien mit realer Haptik und der virtuellen Weiterverarbeitung, Verfremdung und Wandlung nach künstlerischem Konzept und digitaltechnischen Möglichkeiten. Der Kreis schließt sich oder öffnet sich weiter führend, wenn sich nach der virtuellen Verarbeitung wieder eine analoge, „reale“ Werkphase anschließt.

Digitaldruckverfahren können, müssen aber nicht die drucktechnische Realisierung einer Dualgrafie unterstützen. Dualgrafie kann also beispielsweise auch eine Weiterverarbeitung im Flachdruck, Hochdruck oder als Serigrafie erfahren, ist sozusagen die Matrix zur Erschaffung der unterschiedlichsten Druckformen für Printmedien, aber auch Vorlage für Neue Medien, ohne selbst jemals einer Materialmüdigkeit zu unterliegen.

Spätestens hier kommt die Frage nach dem Wert und der Wertschätzung einer Edition, nach Sinn und Bedeutung von Limitierung, Nummerierung und Signaturen, die sich Künstler und Autoren als Urheber nicht aus der Hand nehmen lassen sollten.

Frank Stiehler 2008, überarbeitet 2015

 

aktualisiert: 01.09.2015